Kool Mµ-Kerne (Sendust-Kerne)
85% Eisen + 9.5% Silicium + 6,0% Aluminium
Pulverkerne (Pulververbundwerkstoffe)
Pulverkerne, auch Pulververbundwerkstoffe oder Soft Magnetic Composites (SMC) genannt, sind pulvermetallurgisch hergestellte weichmagnetische Kernwerkstoffe. Sie stellen eine Alternative zu Ferriten sowie massiven weichmagnetischen Werkstoffen dar und werden vor allem für Drosseln, Induktivitäten sowie elektromagnetische Bauteile eingesetzt.
Durch ihre hohe elektrische Resistivität und den verteilten Luftspalt eignen sich Pulverkerne besonders für Anwendungen mit hohen Gleichstromanteilen und erhöhten Betriebsfrequenzen.
Herstellung
Zur Herstellung werden feinste ferromagnetische Metallpulver mit einer elektrisch isolierenden Beschichtung oder einem hochtemperaturbeständigen Bindemittel versehen. Anschließend wird das Material unter hohem Druck in die gewünschte Kernform gepresst und wärmebehandelt.
Die elektrische Isolation jedes einzelnen Pulverpartikels verhindert großflächige Wirbelströme innerhalb des Kernmaterials. Dadurch entstehen wesentlich geringere Wirbelstromverluste als bei massiven Metallkernen.
Ein charakteristisches Merkmal von Pulverkernen ist der sogenannte verteilte Luftspalt. Dieser entsteht durch die isolierten Pulverteilchen und sorgt dafür, dass die Permeabilität geringer, gleichzeitig jedoch die Induktivität auch bei hoher Gleichstromvormagnetisierung deutlich stabiler bleibt.
Neben dem Pressverfahren existieren auch Gussverfahren für Pulververbundwerkstoffe, die jedoch aufgrund des geringeren magnetischen Füllgrades heute nur noch selten eingesetzt werden.
Eigenschaften
Pulverkerne verbinden die Vorteile metallischer Werkstoffe mit einer hohen elektrischen Resistivität. Gegenüber Ferriten besitzen sie in der Regel eine höhere Sättigungsflussdichte, während Ferrite bei sehr hohen Frequenzen oftmals geringere Kernverluste aufweisen.
Typische Eigenschaften sind:
hohe Sättigungsflussdichte
geringer Einfluss von Gleichstromvormagnetisierung
verteilter Luftspalt
geringe Wirbelstromverluste
gute Temperaturstabilität
hohe Überlastfähigkeit
mechanisch hart und spröde, ähnlich keramischen Werkstoffen
Typische Kennwerte
Je nach Werkstoff ergeben sich folgende Bereiche:
Koerzitivfeldstärke (Hc): ca. 0,1 bis 1 A/m
Sättigungsflussdichte (Bs): ca. 0,5 bis 1,9 T
Relative Permeabilität (µ): ca. 5 bis 250
Spezifischer elektrischer Widerstand: ca. 1 bis 10⁶ Ω·cm
Die tatsächlichen Werte hängen vom verwendeten Material und dessen Zusammensetzung ab.
Werkstoffgruppen
Je nach Legierung werden verschiedene Pulverkernmaterialien unterschieden.
Eisenpulverkerne
Bestehen nahezu vollständig aus Reineisen.
Eigenschaften:
hohe Sättigungsflussdichte
kostengünstig
ideal für hohe Gleichstrombelastungen
geeignet für Speicherdrosseln und Leistungsinduktivitäten
MPP-Kerne (Molypermalloy Powder)
Legierung aus etwa:
81 % Nickel
17 % Eisen
2 % Molybdän
Eigenschaften:
äußerst geringe Kernverluste
hervorragende Temperaturstabilität
sehr konstante Permeabilität
geringe Magnetostriktion
ideal für Präzisions- und Hochfrequenzanwendungen
High-Flux-Kerne
Legierung aus:
50 % Nickel
50 % Eisen
Eigenschaften:
sehr hohe Sättigungsflussdichte
geringe Permeabilitätsänderung bei Gleichstrom
besonders geeignet für Hochstromdrosseln und PFC-Anwendungen
Sendust-Kerne
Legierung aus etwa:
85 % Eisen
9,5 % Silizium
5,5 % Aluminium
Eigenschaften:
geringe Kernverluste
hohe Sättigungsflussdichte
gute Temperaturstabilität
wirtschaftliche Alternative zu MPP-Kernen
Anwendungsgebiete
Pulverkerne werden überall dort eingesetzt, wo hohe Gleichstromanteile auftreten und die Induktivität möglichst konstant bleiben soll. Typische Anwendungen sind:
Speicherdrosseln
PFC-Drosseln (Power Factor Correction)
Ausgangsdrosseln in Schaltnetzteilen
DC-DC-Wandler
Leistungsinduktivitäten
EMV- und Entstörfilter
Stromkompensierte Drosseln
Solarwechselrichter
Ladegeräte
Industrieelektronik
Antriebstechnik
Elektromotoren und Leistungselektronik
Dank ihrer hohen Sättigungsflussdichte und ihres verteilten Luftspalts gehören Pulverkerne heute zu den wichtigsten Kernmaterialien in modernen Schaltnetzteilen und leistungselektronischen Anwendungen.